Die messtechnischen Aufgaben im Talsperrenbau sind auf die Anforderungen der drei Grundtypen

  • Geschüttete Dämme
  • Gewichtsmauern
  • Bogenmauern

ausgerichtet. Verdeutlichen mögen dies die in den Untergrund eingeleiteten Kräfte, wel­che bei den Dämmen sowohl unter dem Damm als auch in den Widerlagern sehr gering sind. Bei den Gewichtsmauern dagegen treten unter der Fundamentfuge sehr große Kräfte auf, die sich bei den Bogenmauern wiederum hauptsächlich in den Widerlagern beobachten lassen. Bedeutende Unterschiede und damit unterschiedliche Aufgaben lassen sich auch bei den Verschiebungen im Untergrund und an der Sperre selbst, so­wie bei den Sickerwässern in und unter dem Sperrenkörper ausmachen.

Im Körper eines geschütteten Erddammes interessieren natürlich in erster Linie erd­bautechnische Fragen, wie

  • das Setzungsverhalten der verschiedenen Sektoren (einschl. des Horizon­talmaßes dieser Setzungen),
  • der erreichte Grad der Kompaktierung bzw. Konsolidierung (zum Teil während des Baues kontrolliert, zum Teil aus dem Setzungsverhalten rückgeschlos­sen),
  • die Deformationen des Dichtungskernes,
  • der Porenwasserdruck, besonders im Dichtungskern,
  • die Sickerströmung und die Sickermengen (möglichst getrennt nach Zonen des Dammkörpers) und
  • die Aufnahme des Spreizdruckes durch den Untergrund sowie allfällige Aus­weichbewegungen und Verschiebungen des Dammkörpers auf demselben.

Messbeobachtungen im Untergrund beziehen sich in erster Linie auf

  • Unterströmung und Umströmung des Dammkörpers bzw. seiner Dichtungsele­mente (Dichtungsschirm, Dichtungsschürze),
  • die Höhe des Kluftwasserdruckes in den Talflanken der Dammumgebung so­wie im Bereich erkannter oder gemutmaßter möglicher Uferbewegungen am Stausee, von Bedeutung wegen ihres Einflusses auf die Standsicherheit dieser Bereiche;
  • Bewegungen dieser Talflanken oder Seeufer (Kriech- oder Gleitbewegungen).

Die messtechnischen Aufgaben beim Bau von Gewichtsmauern konzentrieren sich aus geomechanischer Sicht im Wesentlichen auf die Wechselwirkung zwischen Mauer und Fundament. Zur Messung von Vertikalverschiebungen der einzelnen Mauerblöcke eignen sich

  • Nivellements,
  • Schlauchwaagemessungen,
  • vertikal in Bohrlöchern angeordnete Extensometer oder Gleitmikrometer und
  • horizontal angeordnete Deflektometerketten oder Inklinometer.

Zum Relativvergleich von Horizontalverschiebungen einzelner Mauerteile stehen in Verwendung

  • Pendel (die in Großbohrlöchern bis in den Untergrund verlängert sind),
  • vertikal angeordnete Deflektometerketten oder Inklinometer,
  • horizontal bzw. flach geneigte Extensometer oder Gleitmikrometer und die
  • geodätische Triangulation von Mauerfuß und Mauerkrone (wobei der erreich­bare Genauigkeitsgrad mindestens um eine Größenordnung zurückliegt).

Zur Beobachtung von Kippbewegungen dienen Klinometer und zur Beobachtung von Verschiebungen bzw. Versetzungsbewegungen oder Gleitbewegungen entlang von Klüften, Störungen usw. werden sogenannte Fissurometer, die Versetzung unmittelbar messende Geräte verwendet. Diese Verschiebungs- und Bewegungsmessungen sind zu ergänzen durch Beobachtungen und Kontrollmessungen des Bergwasserverhaltens, sie erstrecken sich auf

  • Sickerverlustmessungen
  • Beobachtung von Erosion
  • Messung der Kluftwasserdrücke

Von besonderer Wichtigkeit ist in statischer Hinsicht die Messung der Kluftwasserdrü­cke im Untergrund, weil sie für Sohldrücke, Schirmdruck und Auftriebswirkungen maß­geblich sind. Um diese zu messen, muss man alle Messgeräte möglichst so anordnen, dass sie auch an maßgebenden Klüften ansetzen. Zur Verfügung stehen für diese Mes­sungen

  • Piezometer mit durchgehender Perforierung, bei denen die Spiegelhöhe im Piezometerbohrloch eingemessen wird,
  • Piezometer, welche abschnittsweise messen, wobei die Abschnitte durch
    Packer getrennt werden (Typ CASAGRANDE) und
  • Sohlwasserdruckgeber, welche in Bohrlöchern oder an der Aufstandfläche
    direkt an Klüften angebracht werden.

Die messtechnischen Aufgaben beim Bau von Bogenmauern sollten sich auf die Be­wegungskontrollen in den tragenden Felsbereichen konzentrieren, und da ganz beson­ders auf den mittleren Höhenbereich der Widerlager (Abb. 1). Durch den Aufstau wird das Betongewölbe in seine Felsbettung eingedrückt und zugleich mit deren Verformun­gen talwärts geschoben. Bei Abstau federt das System Mauer/Fels zurück. Die rückläu­figen Bewegungen gehen aber keineswegs auf dem gleichen Wege und natürlich auch nicht im vollen Ausmaße zurück.

 

Abb. 1      Vorschlag für die Messung der Verschiebungen im Widerlager einer Bogenmauer.

a) Zug- und Scherbeanspruchung des Widerlagers; Z  Zugbeanspruchung, S  Scherbeanspruchung, H  Hebung;
b) Messeinrichtung zur Beurteilung der Beanspruchungsverträglichkeit des Widerlagers; E  Extensometer, Q  Querversetzungsanzeiger, P  Pendel T  Zugangsstollen (aus Müller und Fecker, 1992).

 

Im Allgemeinen bilden Extensometer das hauptsächlichste Instrumentarium für diese Verschiebungsmessungen. Waagrechte Verschiebungskomponenten werden, außer durch Extensometer, mit großer Messgenauigkeit, jedoch nur an einigen wenigen aus­gewählten Orten, auch durch Pendel beobachtet. Lotrechte Verschiebungskomponen­ten können mit aller nur wünschenswerten Genauigkeit außer durch Nivellements und lotrechte Extensometer auch durch Schlauchwaagen registriert werden.

Zur Kontrolle des Bergwasserregimes gelten sinngemäß die Bemerkungen zur Be­obachtung von Gewichtsmauern.

 

Die ausführliche Beschreibung zu Geotechnische Messungen an Talsperren finden Sie hier als pdf.